Der Tagebuchschreiber (Fortsetzung).

Wer frühere Alltagsnotizen zur Hand nimmt, kann auch erschrecken. Wegen der Enge der Sicht, die sich da gelegentlich offenbart, über weite Strecken hin, Monate. Nachträglich stelle ich fest: In meinem Berufsleben als Kommunikationsakteur Deutschschweiz-Westschweiz bin ich oft über längere Zeit vom intriganten Kontext meiner Aktivitäten absorbiert worden, als Mitspieler und Beobachter. Des letzteren dabei mitgeschriebene, damals wohl als Errungenschaft verstandene Metaebene erscheint heute, mehr als 10 Jahre später, in der Lebenssituation der Freistellung altershalber, nur als eine weitere Tunnelwand. Erzählerisch ist die oft nur hingeworfene, tägliche Schreibe meist ungenügend, weil zu voraussetzungsvoll. Meist fehlt die Aufarbeitung der Hintergründe und Umstände der knapp benannten Bewegungen der Figuren auf dem Schachbrett der damaligen Mandate - gewiss, solches geschah anderswo, im Rahmen der Geschäftstätigkeit, und gewiss wird auch in den Carnets gelegentlich eine ausführliche Darlegung der bestimmenden Komponenten einer jener Situationen geboten, die der Lösung harrten - also jenes Resultates, für das ich schliesslich bezahlt wurde. Doch die heute noch interessierenden Analysen sind selten genug, bezüglich des Berufs- wie des Privatlebens. Überhaupt, und das ist das besonders Bedenkliche, entfaltet sich die Gedankenwelt fast ausschliesslich an diesen Lebensbereichen. Dabei war ich gerade damals, um 2006 herum, zuhanden eines Kunden mit der Redaktion von Think Pieces zu Kunst und Design befasst. Nichts davon in meinen persönlichen Notizen. Also, schliesse ich heute, war mein Bezug zu dieser lichteren Sphäre wohl ein technischer. Vordringlich aber waren die doch oft in Konvulsionen ausartenden Bedürfnisse und Konflikte des in seinem Lebenstunnel gefangenen sprechenden Tiers.

Wenn ich also heute manches in meinen Carnets als „Spiegelung meiner Konvulsionen“ bezeichnen würde, so ist das nicht abschätzig gemeint. Es ist eher eine Einladung zur Bescheidenheit. Die ist deshalb nötig, weil das Schreiben auch im Falle der täglichen Notiz kraft der blossen Spiegelung eine Meta-Dimension mit sich bringt, deren Entfernung zum Geschehen vom Schreibenden gerne überschätzt wird. Während also der Schreibende in einem Kraftakt sich von seinem Tun und Lassen zu lösen wähnt, in dem er die ihm gerade auffälligen Aspekte desselben zu formulieren sucht, wird er als sein eigener Leser dann mehr als zehn Jahre später gewahr, wie sehr er noch in seinen Verstrickungen gefangen war. 

Le diariste.

mehr lesen

Gesehenes, Foto und Schreibe.

Das Foto bringt das Gesehene erst zum Vorschein, herausgeholt aus dem Fluss des Sehens, diesem halb geträumten Film, vor die Schreibe, die daran ein weiteres Sehen entwickelt. Wenn sie kann, wenn das Foto dazu gut ist, also zu denken gibt. Schreibe ist Denke. 

Am manchen Fotos, auch von deinen, gleitest du ab. Heisst: Gegen deine Intention lässt du dich oft zu Aufnahmen herbei, an denen du danach nicht hängen bleibst. Weil du das erst danach siehst. Du hast Erfahrung, du hast Ahnung, aber das Foto bewahrheitet sich erst, wenn du darauf zurückkommst - mal beim ersten schon, mal beim zweiten, dritten, vierten Zurückkommen erst. Und dann wieder nicht. Es braucht einen längeren Umgang mit den Fotos, um ihren Wert zu erkennen. 

Ihren Wert bemisst du an der Lebensdichte, die sie dir zuhalten, deines Lebens, anderer Leben, indem sie deine direkte Wahrnehmung, also das, was du für dein Sehen hältst, überbieten: enthalten und überborden. Was in der Malerei der Künstler macht, der mehr sieht als du, macht hier der Apparat. Je stärker er ist in der Aufnahme, desto tiefer dringt er ins Stoffliche des Gesehenen ein, so tief, dass du es erst beim zweiten, dritten, vierten Hinsehen erkennst, unter Vergrösserung und nochmaliger Vergrösserung, von der du zurückkehrst zum Gesamtbild, das dir nun verdichtet vor Augen tritt. Als hätte die Szene im Bild die Materie und die Zeit in sich aufgesogen - um dann beide wieder aus sich heraus zu entlassen bis zum Verschwinden. Dann kehrt das Leben wieder in dich selbst zurück, und du träumst deinen Film weiter, berauscht von der andrängenden Gegenwart der Verhältnisse, der Menschen und Dinge, eingelassen wieder in die gewohnte Enge deiner Allerwelts-Subjektivität. 

Ma petite dialectique.

Dans le jeu de présence/absence qui régit nos relations avec les personnes chères, la foto aide la mémoire à maintenir vivante la présence dans l'absence, présence bien différente de la présence telle qu'elle était, lors de l'actualité de la scène, imaginée maintenant. À la place de la matière, souvent encombrante, des êtres qui, de ce fait, vous repoussent des fois, il y a maintenant des lacunes en esquisse dont le vide fait appel à des élans de l'âme où s'installent facilement la nostalgie et le désir. C'est un aller et retour permanent de soi vers l'autre et vice versa, où soi et l'autre prennent forme et s'affirment. 

Ce qui vaut pour les personnes vaut aussi, mutandis mutatis, pour les lieux. Souvent, il faut partir, rien que pour réapprendre à apprécier et retourner le cœur battant. La foto, alors, ne remplace pas la présence de ce qui est ailleurs, mais pointe vers celle-ci, vous lance vers elle, en vous prenant par les entrailles. Le réel, là, peut combler toutes vos attentes ou vous décevoir outre mesure, en vous repoussant et annihilant vos rêves, dévoilés maintenant comme tels. 

La foto vous permet de vous en tenir à cet état intermédiaire de flottement où le désir se lance vers sa mort dans l'actualité immédiate, pour renaître ensuite avec force dans cette absence qui vous interpelle dans l'image. Machine à consommer le temps à cent pour cent, pour une durée cependant limitée, car elle n'arrivera jamais à absorber le monde entier dans son jeu. Du coup où le dehors fait irruption en la dénonçant comme produisant un dedans, elle se grippe. 

Il n'y a alors qu'à attendre si, oui ou non, elle se remettra à fonctionner. 

Anmerkung zum Denken.

Denken mitmachen, also selber denken, kann ich nur von Sachen her, nicht von Schulbegriffen, weshalb ich über den Status von letzterem im Zweifel bin. Welche Sachen? Summarisch: die Fragmentation der Welt bei Rabelais, die Erzählwürdigkeit des Banalen bei Montaigne, die Selbstvergewisserung des Denkens bei Descartes, die Grenzen der Erkenntnis bei Kant, die Entfaltung des Geistes bei Hegel, Zivilisation als zerfallende Natur bei Rousseau, die phänomenale Produktivität des Bewusstseins bei Husserl, die Zeitlichkeit des Daseins bei Heidegger, die Ich-Losigkeit des Grundbewusstseins bei Sartre, das Überschiessen der Ichbezogenheit bei Tugendhat. Demgegenüber ist das Hantieren mit Schulbegriffen eine unsägliche Überforderung, zunächst des so Hantierenden selbst, denn diese Begriffe gibt es nur kraft der Schulen, nicht kraft der Sachen, das Lebendige aber kommt von den Sachen her. 

Zur Sinnproduktion, vertieft.

Was denn unter „Sinnproduktion“ zu verstehen sei, wurde ich im Anschluss an meinen letzten Beitrag hier gefragt. Ich antwortete etwa so: Im Unterschied zu Lebewesen, die ihrem Instinkt hingegeben sind, bei aller Fähigkeit zu - limitierten - Kalkülen, vermag es der „Mensch“, Bedeutungen jenseits des Instinktiven herauszubilden, an Bedeutungsträgern festzumachen und zu kombinieren. 

mehr lesen

Zur Sinnproduktion, erneut.

Klassische Themen Philosophierender haben mich schon immer weniger interessiert als jenes der Sinnproduktion, das generell eher marginal behandelt wird, bei mir aber in theoretischer wie in praktischer Hinsicht im Zentrum steht. 

mehr lesen

Das Photo und die Bleibe, V.

Deine Bleibe, durchpulst von den Lebensströmen deines Biotops! Und der kultivierte Mensch, demgegenüber? Er wird die Strömungen zu lenken suchen, Vorkehren treffen, sie seinen Wünschen und Gegebenheiten anzupassen. Nicht, sie zu beherrschen, das würde sein Leben austrocknen. Schlimm genug, wenn im zunehmenden Alter ihre belebende Wirkung abnimmt: da heisst’s die selbe Freude mehrfach geniessen, die schönen Szenen mit vielfachem Echo umstellen. Geniess im Geiste zweimal, dreimal, viermal, was dir real nicht mehr tausendfach zu Gebote steht.

mehr lesen

Das Photo und die Bleibe, IV.

Alles schuldet die Bleibe der Erzählung, denn sie braucht eine Vergangenheit und eine Zukunft, um sich als die Stätte deiner Gegenwart zu etablieren. Nun existieren weder die Vergangenheit noch die Zukunft aus sich selbst, es ist die Erzählung, die die Vergangenheit im Gedächtnis hält, und sie ist es, die unsere Wege in die Zukunft entwirft. Gewiss gehört zur Erzählung die Spur, die das Erlebte im Körper zurückgelassen hat, aber was wäre diese Spur, wenn sie nicht mit Worten nachgezogen würde? Eine vielleicht glosende, aber doch vage Linie.

mehr lesen

Das Photo und die Bleibe, III.

Das Photo hält die Szene fest und bestätigt damit den Bezirk, der die Bleibe birgt. Zugleich zeigt es die Vorläufigkeit des Festgehaltenen: „Ich bin eine Momentaufnahme“, sagt das Photo und lädt uns ein, einen Augenblick da zu verweilen. „Stau dies, und die Zeit tritt aus wie ein See.“ (Robert Musil, MoE: Paradiesreise.) Da kann sich der Ort entfalten, kann seine Architektur Gestalt annehmen. Und der ganze zeitgetriebene Fluss der Dinge ergiesst sich in die Struktur, die ihre schöne Fügung zur Schau stellt.

Indem das Photo die Szene auf eine beständige Unterlage aufträgt, auf der sie fortdauern wird, gewährleistet es jederzeit die Rückkehr zu ihr. So wiederholen Photo und Szene die Offerte der Bleibe: „Immer werde ich auf Deine Rückkehr warten.“ Als Gegenstück und Ergänzung der Einladung zur Reise.

In diesem Bezirk als breitet sich der Ort in die Ebene und recken sich die Gebäude gen Himmel - handle es sich um „mein“ Dorf, „meine“ Stadt oder den Wohnort Anderer. In letzterem Fall freilich erhöht sich die Reflexivität des Bildes, erweitert sich der Begriff der Bleibe um diejenige Anderer zu dem der Bleibe überhaupt, und so wechsle ich selbst vom Status des Individuums zu jenem eines Exemplars der Gattung. Solche Exemplarität erfasst da auch die Dimensionen des Ortes und seiner Gebäude. 

mehr lesen

Das Photo und die Bleibe, II.

Die Zeit treibt uns aus dem Augenblick, darin dem Zeichen verbündet, das uns immer aufs nächste Zeichen verweist, und so weiter. Dieser Flüchtigkeit setzt sich das Ansässig-Werden und Wohnen entgegen - auch der Kalender, der die regelmässige Wiederkehr des Gleichen zur Institution erhebt. Sein Wesen ist die Wiederholung, sein Heil das Gesetz, das diese gewährleistet. Nun steht und fällt das Gesetz mit dem gefestigten Sinn der Worte. Es ist ein ständiger Kampf, denn die Dinge ändern sich im Zug der Wiederholung, und damit der Sinn der Worte, die sie benennen, jener Worte auch, die das Gesetz verkörpern. Man kann Massnahmen ergreifen gegen diese Rückkehr der Wechselhaftigkeit, aber es wird nie gelingen, sie ganz zu verhindern. 

mehr lesen

Das Photo und die Bleibe, I.

Nach dem Zurück zur Natur (Die Photographie und das Erscheinende, I - V) der Sturz in die Zivilisation, nach dem Thema des rein Erscheinenden dasjenige des Wohnens in der Stadt, beide Themen zugänglich gemacht über das Photo. Der Verfasser, der seit mehreren Monaten in Bern wohnt, begibt sich also vom Bremgartenwald in die Stadt und deren Quartiere.

mehr lesen

La photo et la résidence, V.

Qu’est-ce qui sous-tend la résidence, das Wohnen, sinon les courants vitaux qui traversent ton biotope! Alors l’homme cultivé, la femme cultivée, face à ces courants? Ils tentent de les moduler! Ce qui veut dire: „faire varier d’une manière souple pour adapter aux conditions du moment“. Ce n’est pas de la maîtrise - qui d’ailleurs risquerait de dessécher le biotope pour les individus qui la pratiqueraient. Il suffit déjà qu’avec l’âge, chez l’individu, les effets de ces courants vivifiants diminuent, phénomène auquel il ne peut remédier qu’en en multipliant les échos dans les scènes „qui lui chantent“. 

mehr lesen

La photo et la résidence, IV.

La résidence doit tout au récit, car il lui faut un passé et un avenir pour pouvoir se constituer comme l’assise du présent qu’elle prétend être, du moins pour le bourgeois-citoyen moyen, dont il s’agit ici. Or ni le passé ni l’avenir n’existent par eux-mêmes, c’est le récit qui retient le passé dans notre mémoire, et c’est lui qui nous projette vers l’avenir. Bien sûr que ce récit, c’est aussi la trace d’un vécu déposée dans notre corps, mais que ferions-nous de la seule trace sans le récit qui la retrace? Rien que du flou.

mehr lesen

La photo et la résidence, III.

La photo fixe la scène et ce faisant confirme l’habitat qui, lui, héberge la demeure. En même temps, cependant, elle donne à voir le caractère passager de ce qu’elle fixe. „Ich bin eine Momentaufnahme“, dit-elle - et nous invite à nous arrêter là, pour un moment. „Stau dies, und die Zeit tritt aus wie ein See.“ (Robert Musil, MoE, Paradiesreise.) C’est alors que la structure peut se déployer, que l’architecture prend corps. Et tout ce flux temporel de couler dans la structure qui exhibe sa belle architecture.

mehr lesen

La photo et la résidence, II.

Le temps est une pulsion qui nous jette hors du moment présent, il est en cela en connivence avec le signe, qui nous renvoie toujours au signe prochain, et ainsi de suite. Rester à la même place, y prendre domicile, va à l’encontre de cette volatilité de l’être-là. La résidence s’oppose au temps et à la fuite des signes - par le calendrier d’abord, qui institue le retour régulier du même. La répétition est son truc, la loi qui la garantit son salut. Or pour que la loi soit, il faut stabiliser le sens des mots, arrêter ce sens une fois pour toutes. C’est un combat permanent, car au cours de la répétition, il arrive que les choses changent, et que change le sens des mots, même de ceux qui sont appelés à donner corps à la loi. L’on peut prendre des mesures contre ce retour corrosif de la volatilité, mais on n’arrivera jamais à l’éviter tout-à-fait.

mehr lesen

La photo et la résidence, I.

Après le retour à la nature (voir la photo et le phénomène, par ici), la chute dans la civilisation, après le thème du phénomène à l’état pur, celui de la résidence dans la Cité, ces deux thèmes approchés ici via la photo. Domicilié depuis quelques mois à Berne, l’auteur, ce photographe quelque peu penseur sur les bords, passe donc de la forêt de Bremgarten à la ville, à ses quartiers. 

Le mot „résider“ nous vient du latin „re-sidere“, de „sedere“, s’asseoir, être assis, précédé d’un „re-„, qui marque la répétition qui, elle, confirme l’existant dans son être: Existe ce qui se répète. C’est, ici, l’assise de celle ou celui qui est assis, "ansässig", ce fondement à partir duquel ma maison s’affirme comme mienne dans l’enceinte de la cité, propriété liée au statut de citoyen, à celui de majeur, des „Mündigen“, de celui qui a la parole. 

mehr lesen

Die Photographie und das Erscheinende, V.

Auf meinen Wegen und meinen Pfaden, den Blick fest auf die Spur meiner Route geheftet, dem Zeitstrom hingegeben, lass ich mich treiben vom fortreissenden Augenblick, der unaufhaltsam und stetig von der nahen Zukunft in die nahe Vergangenheit fliesst, eng geführt die Szenerie der vorüberziehenden Zeit, die sich anfühlt, als wär’ sie ewig, so, wie sie den Menschen in seiner wilden, noch unzivilisierten Schicht in Beschlag nimmt. 

mehr lesen

Die Photographie und das Erscheinende, IV.

Ich schlage vor, die formale Aesthetik des Photos auf die existenzielle Bruchstelle zu beziehen, der die Bilder geschuldet sind: diejenige zwischen dem unreflektierten (Selbst-) Bewusstsein und dem reflektierten, dieser Bedingung der Möglichkeit des Entstehens der Szene. Denn erst im Schritt zurück vom Geschauten ins Reflexive, dieser Brechung des unmittelbaren Bezugs, dem die Szene entspringt, wird der Schauende des Geschauten und seiner selbst gewahr. 

mehr lesen

Die Photographie und das Erscheinende, III.

In einem Rahmen, der die Szene ausschneidet und sie aus dem Fluss der Zeit in die Dauer hebt, leben die Personen, die anderen Lebewesen und die Dinge weiter als Formen und Gestalten in Bewegung. Während die Zeit alles Lebendige mit sich reisst und von der Gegenwart in die Vergangenheit stösst, lebt die photographierte Szene auf ihre Weise weiter und ragt so auch aus ihrem jeweiligen späteren Umfeld heraus. Von diesem wird sie freilich immer wieder affiziert, denn ihr Sinn ist nicht abschliessend festgelegt, sondern als Frage aus einem Mangel heraus für die Lektüre unabschliessbar offen. Dabei erlangt die ursprüngliche Intention des Photographen niemals eine Deutungshoheit, die ihren Sinn zu sättigen vermöchte. Die produktive Photographie zeichnet sich im Gegenteil dadurch aus, dass sie ein Sinn-Defizit in die Welt setzt und damit der sinn-produzierenden Lektüre Raum gibt. Eine Künstlerin, ein Künstler ist jene oder jener, die, der in der grossgeglückten Tat die eigene Intention im Gang ins Offene hinter sich lässt.

mehr lesen

Die Photographie und das Erscheinende, II.

Immer schon hat sich der Betrachter dem Geschauten entgegengeworfen, ist er uranfänglich im Bezug zu diesem gefangen. Mit dem Photo tritt er daraus einen Schritt zurück, holt er sich das Seinige aus diesem Bezug. Es ist eine Rückkehr zu einem Sich-Selbst, das es nur in diesem Zurück gibt, denn da erst eröffnet sich der Abstand zwischen dem Betrachtenden und dem Geschauten. Der Abstand gibt die Szene frei, die Lichtung ist und Abgrund zugleich.

mehr lesen 0 Kommentare

Die Photographie und das Erscheinende, I.

Gegenüber dem Erscheinenden wird mir die Photographie im vorrückenden Alter immer wichtiger. In der Jugend prägte Edmund Husserls Phänomenologie meine Wahrnehmung, zentral waren die Cartesianischen Meditationen, hinzu kamen Lektüren von Sartre, Heidegger, Merleau-Ponty, Derrida, Blanchot…

Aus dieser Zeit sind mir noch zwei Handlungen gut in Erinnerung. Von Seiten Husserls die phänomenologische Reduktion, in deren Vollzug die Seinsgeltung der geradehin wahrgenommenen, vermeintlichen Wirklichkeit „eingeklammert“ und damit ausser Kraft gesetzt wird, von Seiten Derridas die Einkehr ins Geschehen der „différ-a-nce“, des in allem Unterscheiden und Unterschied waltenden Risses, zunächst in der Anzweiflung der unmittelbaren, vermeintlich herausgehobenen Selbstpräsenz des Subjekts - was uns an Marx und Freud, ja auch an Hegel erinnert. Die Selbstgewissheit des Subjekts wird in dessen Einsicht in die unabschliessbare Verschiedenheit von sich selbst preisgegeben: Es wird sich nur geschenkt im Gegenübertreten, in der Trennung von sich selbst.

Beide Handlungen sind dem alltäglichen Weltbezug entgegengesetzt. Deshalb der Ausdruck „Handlungen“. Um diese Gedanken zu fassen, muss eine, einer nämlich an sich selbst handeln, sich verändern in der Veränderung ihrer, seiner Erfahrung. Darum das Pathos in Husserls Meditationen. 

mehr lesen 0 Kommentare

La photo et le phénomène, V.

Dans la grande forêt du Darss.
Dans la grande forêt du Darss.
mehr lesen 0 Kommentare

La photo et le phénomène, IV.

Voir aussi: la photo et le phénomène, I, II, III

mehr lesen 0 Kommentare

Übers Altern.

Kleine Ansprache aus Anlass eines 60sten Geburtstages im Bekanntenkreis.

mehr lesen 0 Kommentare

La photo et le phénomène, II.

Lire d'abord le billet précédent, la photo et le phénomène, I, du 4 avril 2017.

mehr lesen 0 Kommentare

La photo et le phénomène, I.

Sur le tard, je pratique la photo pour mieux saisir le phénomène. Dans ma jeunesse, je me suis intéressé à la phénoménologie de Husserl (surtout les Méditations cartésiennes, mais à bien d’autres textes sur la réduction phénoménologique aussi) - ce fut en relation avec des lectures de Sartre, Heidegger, Merleau-Ponty, Derrida, Blanchot... 

mehr lesen 0 Kommentare

Der Kriegsberichterstatter und die existenzielle Photographie.

Letzthin veranstaltete eine Photographische Gesellschaft, die sich sonst eher mit formalen Aspekten der Photographie beschäftigt, einen Abend mit einem Kriegsberichterstatter. Es ging um die Schlacht um Mosul, die noch heute, im März 2017, im Gange ist. Der Mann war dort schon mehrmals an der Front gewesen, und er wird in wenigen Wochen wieder hinreisen. Die Mitglieder der Gesellschaft waren gewarnt: Es würden auch Bilder gezeigt, die Medien in unseren Breitengraden nicht publizieren, von sterbenden und toten Menschen. Er sei diese Tabuisierung leid, erklärte der Vortragende. 

 

mehr lesen 0 Kommentare

Lässt sich "Welt" fotografieren?

Lässt sich eine Szene so fotografieren, dass zu sehen ist, wie ein Hauch von Welt sie durchzieht? Etwa so, wie sich das bei Dialogen von Marguerite Duras oder Maurice Blanchot mitteilt? Szenen über dem Abgrund des Nichts oder des Neutre also? Mit dem Rand der Welt als Horizont?

mehr lesen 0 Kommentare

Fotografie: Szene und Welt.

Rheinau (CH), von Altenburg (D) aus gesehen.
Rheinau (CH), von Altenburg (D) aus gesehen.
mehr lesen 0 Kommentare

Meine Zeit in Romanshorn.

Als ich in der ersten Hälfte der Fünfziger Jahre als 7-, 8jähriger erstmals allein von Zürich mit dem Zug nach Romanshorn reiste zu meinen Grosseltern in Salmsach, beeindruckten mich die riesigen Lagerhäuser hinter dem Bahnhof am Hafen, die aufzuragen schienen gegen das fremde Land am anderen Ufer. Wollte das Kind vom Gleis hinüber zu den Schiffen, wartete es erstaunt, bis die Bahnhofarbeiter die schweren Ketten eingezogen hatten, mit denen die Passanten von den ein- und ausfahrenden Zügen getrennt werden mussten. 

mehr lesen 2 Kommentare

Kurze Anmerkung zur Sinn-Frage.

Wir selbst verleihen unserem Dasein Sinn - wenn wir denn dazu fähig sind. Wer es nicht kann, verlässt sich auf Autoritäten. Die sind in unseren Breitengraden in der Nachkriegszeit halbwegs abgeschafft worden, zumal in ihrer personalisierten Gestalt. Unverrückbar scheinende Normen sind verschwunden, andere sind in Geltung gekommen, im Verhalten etwa der Geschlechter zueinander - was den einen die Entfaltung erleichterte und manche weniger Bedarfte in die Orientierungslosigkeit stürzte.

mehr lesen 0 Kommentare

Geburtstagswünsche: Glissez mortels, n'appuyez pas!

Ganz dünnes Eis trägt hier der Schlittschuhläufer Tanz,

ein Abgrund jenen, die den Boden bald verlieren,

so flüchtig nur ist unsrer Freuden leichter Glanz.

Gleitet, ihr Sterbliche, statt tief und tiefer zu sinnieren. 

 

(sehr freie Übersetzung von mir, Peter Köppel, Original unten stehend)

mehr lesen 0 Kommentare

De la densité de l'existence.

La seule perception est tellement riche en impressions variées qu'elle est, pour bien des gens, un motif majeur de tenir à la vie, quelle qu'elle soit. Il en est même qui fondent sur cette richesse leur préférence de la pauvreté et de l'insignifiance, comme Robert Walser. La production de sens qu'offre cette couche primaire de l'existence se joue en dehors des grandes machines à sens mises en place par nos sociétés: les religions d'abord, les idéologies ensuite, les carrières enfin. C'est cette richesse toute sensuelle qui nourrit les âmes malgré elles, mystifiées qu'elles sont souvent par ces appareils-là.

mehr lesen 0 Kommentare

la photographie, créatrice de distance.

Vous photographiez ce que vous aimez. Soit. Or vous concèderez que ce que vous aimez, vous ne le possédez pas. Car la possession tue l'amour. D'où le motif de garder la distance dans vos rapports avec ce que vous voulez continuer d'aimer. Et c'est là qu'intervient la photographie.

Le regard se lance vers l'objet et se fait manger par lui ou le mange. Voilà la distance annulée. La photo la ressuscite grâce à l'intervention de l'appareil qui emprisonne l'objet dans la scène de son apparition du moment, tandis que votre regard continue d'évoluer dans le temps: elle sépare ainsi le regard et l'objet, distance où le désir trouve sa demeure en même temps que le regard est rendu à lui-même, pure conscience de soi respirant l'indépendance précaire d'un animal qui ne saurait se passer ni de son environnement ni de son entourage.

La photographie atteste, prolonge et confirme cette fissure qu'est la conscience de soi dans le flux ininterrompu en soi du présent, elle documente le passage de l'homme, animal producteur de sens.

mehr lesen 0 Kommentare

Mes photos du Maroc revisitées.

Vous passez un temps ailleurs? Pour valoriser votre séjour, vous prenez des photos. Il y a là tout un ensemble de motifs: en garder le souvenir, en apprécier ex post des aspects que l'on ne voit pas sur-le-champ, montrer vos exploits à votre public à vous, etc. Ce sont là des motifs où la photo fonctionne comme un moyen en vue d'une fin en dehors d'elle. Mais la photo peut constituer une fin en soi, par exemple quand je me rends à tel endroit pour faire de belles photos, ou des photos intéressantes sous tel et tel point de vue. Là, on pourra distinguer la forme du contenu: Est-ce plutôt la qualité de la photo elle-même qui m'intéresse - ou l'intérêt qu'offrent la scène ou l'objet photographiés? 

mehr lesen 0 Kommentare

Des stimuli de l'existence.

C'est dans l'économie privée que j'ai fait la connaissance des forcenés du travail, de ces entrepreneurs et managers assidus que seul mobilise le stimulus de la concurrence et du gain. Quels ravages quand il n'y a plus que ça... Chez elles comme chez eux, le plaisir se réduit à une hygiène psycho-physique, ce n'est plus une dimension de l'existence, mais une fonction... 

Et le vivre ensemble des couples lui aussi conduit irrémédiablement à cette réduction de la dimension existentielle à la fonction hygiénique.

mehr lesen 0 Kommentare

Das Gesellschaftliche und das Existenzielle.

Gemeinhin begreiflich dürfte sein, wenn einer mit zunehmendem Alter vom Gehege weg mehr ins Existenzielle geht, gerade dann, wenn's einer ist, dem diese Sphären seit je eher ein Auseinander denn ein Ineinander waren. Das Gesellschaftliche bildet für ihn einen Innenraum voller Sinn gegen das Existenzielle, diese noch fast sinnleere Dimension des schlichten Daseins.

mehr lesen 0 Kommentare

Le vtt.

J'ai quatre stents dans ma poitrine, et pas de moteur à mon vélo. Mais il est vrai: entre 65 et bientôt 71 ans, j'ai perdu quelque peu mon assurance sur les sentiers de la forêt où je vais d'habitude pour mes randonnées d'une heure et demie et plus. Je ne parle pas des sentiers bien aménagés et balisés où je suis toujours à l'aise, mais de ces pistes de brousse qui m'obligent à bien tenir mon guidon, où je risque de perdre mon équilibre. Gare aux chutes, à cet âge-là! J'adore les montées, je les cherche, mais au jour d'aujourd'hui, je dépasse rarement les 200 à 300 mètres d'altitude pendant mes deux heures de course. Quant aux descentes, j'y vais mollo. 

mehr lesen 0 Kommentare

Die Magie des Vierecks.

Bin ich in meinen Biotopen unterwegs, fliesst meine Bewegung durchs Gelände, über Wege, auf Strassen, oft zwischen Gebäuden, in Häusern, wie auch immer ich mich fortbewege: gehend, auf dem Rad, im Zug, im Auto, im Boot - das Flugzeug lass ich mal: etwas fliesst und etwas steht, nein: fliesst vielmehr anders, und meist, ausser im Wald, vor einem Horizont, dessen langsame Wanderung die Bewegung bezeugt. Ich fliesse - oder fliesse mit, was hier dasselbe ist - und bin umflossen von der Welt. Und sitz ich dann allein im Raum, versammelt sich die Welt um mich herum, wieviel Bewegung auch drin sein mag, nach allen Seiten. Tous azimuts! Unter Leuten schliesslich verlagert sich das Zentrum zum jeweiligen Mittelpunkt, der wandern mag: von anderen etwa zu mir und weiter. Ein Fliessen ist da immer.

mehr lesen 0 Kommentare

Telle une peau, la photo enlève le paraître de la chose.

Une photo - et voilà la matière qui a disparu. De son opacité, il ne reste que le paraître. Ajoutons qu'aujourd'hui, à l'heure de la photo digitale, l'on ne pourra même plus affirmer comme Roland Barthes dans sa "Chambre claire" (1980) que "ça a été là".  La photo, ce n'est plus la présence passée de l'objet photographié qui a laissé ses traces sur le papier traité par la chimie. La manipulation digitale ne connaît pas de bornes.

mehr lesen 0 Kommentare

Die Entwertung der Bilder.

Beim Betrachten mancher Abbildungen aus früheren Zeiten erahnt einer deren existenzprägende Kraft. Die digitale Bilderflut, die einen heute überschwemmt, lässt hingegen das einzelne Bild als schalen Abklatsch einer in Myriaden von Vierecken fragmentierten Realität erscheinen - immer derselben, die sich ihrerseits in Portionen und Portiönchen in die Schwemme der Bildchen auflöst. Es gibt keine andere Realität mehr, weil kein Bild mehr dem kollektiven Wahn die eigene Prägung im öffentlichen Raum erfolgreich entgegenzusetzen vermag. Das einzige, freilich nur vermeintliche Entkommen aus dem Gefängnis einer um so stärker verfestigten Wirklichkeit gewährt noch deren Zersetzung in die Inflation der Szenerien. Was tun, wenn eine, einer vom Bild nicht lassen will? Gerade dies noch zu überbieten und so auf eine Meta-Ebene zu hieven ist das eine, dem Bild die störende Legende mitzugeben das andere.

mehr lesen 0 Kommentare

Der Photograph als Traumtänzer.

Auf Schnellschuss eingestellte, spontan photographierende Leute knipsen Bedeutungen, bzw. Inkarnationen von Begriffen, also "Gemeinplätze": ein "kleines herziges Kätzchen", ein "schönes Abendrot", ein "feines Essen". Je satter die geknipste Erscheinung von der Bedeutung ausgefüllt wird, desto besser. "Gut getroffen" ist dabei die intendierte Bedeutung, der inkarnierte Begriff, jener vorgegebene gemeinsame Nenner von Sender und Empfänger des Bildes. Das Gros der heutigen Bilderflut gehorcht dieser Logik der Unterstellung des Erscheinenden unter den Gemeinplatz, das "Motiv" eben. 

mehr lesen 0 Kommentare